Station 11: Purren
Vom Purren aus hat man eine wunderschöne Aussicht auf die große Wasserfläche des Bodensees und das umliegende Landschaftsmosaik. Neben Siedlungen, Wiesen und Waldbeständen erstrecken sich in der Ferne auch die Alpen mit ihren schneebedeckten Bergspitzen.
Wusstet ihr, dass die letzte Eiszeit noch nicht vorbei ist? Wir leben gerade in einer warmen Periode der Eiszeit! Die Entstehung des Bodensees begann mit der Eiszeit, und seine heutige Gestalt ist das Ergebnis der letzten Kaltzeit im Alpenraum: Der Rheingletscher, der sich von den Alpen bis nach Oberschwaben und den Hegau erstreckte, schmolz und füllte das heutige Bodenseebecken. Dieses Becken war vor knapp 14.000 Jahren noch viel größer als jetzt. Es ging im Süden einige Kilometer ins Alpenrheintal hinein, fast bis nach Chur. Durch die Verlandung, also den Schutt, den der Rhein aus den Alpen mitbringt, verkleinerte sich der Bodensee rasch, und auch in Zukunft wird der See weiterhin schrumpfen.
Vom Purren aus sieht der See fast zeitlos aus. Aber auch wenn es den Bodensee schon seit einigen tausend Jahren gibt, ist er als komplexes Ökosystem nicht gefeit vor dem voranschreitenden Klimawandel und den Veränderungen, die dieser und menschliche Eingriffe mit sich bringen.
So haben sich zum Beispiel in den letzten Jahren gebietsfremde und invasive Muschelarten wie die Quaggamuscheln angesiedelt und ausgebreitet. Die Quaggamuscheln können sich rasant fortpflanzen, weil ihnen im Bodensee natürliche Feinde fehlen. Das resultierende Massenvorkommen hat deutliche Auswirkungen auf die heimischen Pflanzen- und Tierbestände, unter anderem dadurch, dass die Quaggamuscheln ähnliche Nahrungsbedürfnisse wie einige andere einheimische Muscheln und bestimmte Fischarten haben und diese somit zurückdrängen.
Auch der Mensch verursacht dem See Stress, beispielsweise durch den stetig wachsenden Freizeit- und Schiffsverkehr oder die Bebauung des Bodenseeufers. Hier setzen Gewässerschutzmaßnahmen an. Auch ein präzises Monitoring des Bodensees ist wichtig, um die Zusammenhänge des Ökosystems besser zu verstehen. Dann kann der Bodensee auch in der Zukunft seine Funktion als Lebensraum für einzigartige Tier- und Pflanzenwelten erfüllen. Im Bodensee-Naturmuseum gibt es auf dem Medientisch die frühere Ausstellung „Lebensraum Bodensee“ zu sehen. Sie zeigt, wie sich der See von 1924 bis 2024 verändert hat und welche Auswirkungen das auf die Tier- und Pflanzenwelt hatte.