Station 2: Konstanzer Trichter

Der Konstanzer Trichter ist die trichterförmige Engstelle, an der das Wasser des Obersees als Seerhein in den Untersee strömt. Er wird von der Rheinbrücke überspannt und auf der Altstadt-abgewandten Seite von der sehenswerten Seestraße begrenzt. Hier können wir einen Blick darauf werfen, wie kompliziert das Miteinander von Mensch und Wasservogel sein kann.

Die meisten Wasservögel machen es genau andersherum als die Tourist*innen – sie besuchen den Bodensee im Winter, nicht im Sommer. Ab September kann man mit Reiher- und Tafelente die ersten dieser Wintergäste beobachten. Im November kommen dann Singschwäne und Zwergschwäne hinzu. Bis zu 250.000 Wasservögel beherbergt der Bodensee im Dezember und Januar. Diese Vögel profitieren vom reichhaltigen Nahrungsangebot des Bodensees: Die Singschwäne und Krickenten weiden die Algen am Grund der Flachwasserzonen im Untersee ab. Die Prachttaucher holen sich die Kamberkrebse vom Boden des Schweizer Obersees, und die Reiher- und Tafelenten tauchen nach den Dreikantmuscheln am steinigen Grund von Überlinger See und Obersee.

Im Konstanzer Trichter fand vor wenigen Jahrzehnten noch eine Vielzahl an Wasservögeln ihre Nahrung. Vor allem im Winter verbrachten hier mehrere tausend Tafelenten und Reiherenten ihre Nächte damit, nach den Dreikantmuscheln auf dem Seegrund zu tauchen. Auch bei Schellenten war der Trichter das ganze Jahr über wegen des reichen Angebotes an wasserbewohnenden Wirbellosen beliebt. Seit rund 25 Jahren sind die Tage, an denen mehr als tausend Vögel gezählt werden, sehr selten geworden. Der Konstanzer Trichter hat seine Bedeutung für die Wasservögel eingebüßt – die Gründe dafür sind vielfältig. Die Zunahme an Bootsverkehr und Wassersport-Nutzung dieses Bereichs ist jedoch sicher eine der Hauptursachen. Je nach Art reagieren Wasservögel unterschiedlich sensibel auf Wasserfahrzeuge wie Kanus oder Motorboote. Bei störungsempfindlichen Arten wie Kolbenente oder Reiherente kann eine Annäherung auf 300 Meter schon dazu führen, dass der ganze Trupp auffliegt und das Gebiet verlässt. Entgegen den Erwartungen wirkt sich das Stand-Up-Paddelboard als eigentlich kleineres Wassersportgerät mit am stärksten aus: Da der stehende Mensch auf dem Wasser bedrohlicher wirkt als der sitzende, flüchten die Vögel je nach Situation bereits ab einer Entfernung von 500 Metern. An einer Engstelle wie dem Konstanzer Trichter wird dieser Abstand sehr schnell unterschritten und die Vögel sind gezwungen, in weitläufigere Gebiete auszuweichen.

Ein Besuch des Trichters lohnt sich trotzdem noch – im Winter tummeln sich die kleinen Zwergtaucher unter der Rheinbrücke oder vor dem Inselhotel und tauchen nach kleinen Wasserlebewesen. Entlang der Seestraße halten sich auch immer Höckerschwäne auf – uns wird es nie langweilig, ihnen zuzuschauen: beim Balzen, Gründeln, Streiten und Baden während der Gefiederpflege. Wenn ihr unsere Tour im Sommer macht, stehen die Chancen gut, dass ihr auch junge Schwänchen entdeckt!

 

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