Station 4: Hockgraben – Fließgewässer

 

Das Gebiet „Hockgraben“ erstreckt sich zwischen der Universität, den Ortsteilen Egg und Allmannsdorf sowie den letzten Häusern des Stadtteils Königsbau/Sonnenbühl. Die Radwege durch den Hockgraben kürzen die Strecke zur Insel Mainau und Litzelstetten ab und sind angenehmer zu befahren als die Auto-lastige Mainaustraße. Der Hockgraben stellt die natürliche Grünflächenverbindung zwischen dem Bodanrück mit dem Mainauwald und der Landspitze Horn dar. Der Grund und Boden gehört nicht der Stadt, sondern dem Land, und ist Teil des FFH-Gebiets „Bodanrück und westlicher Bodensee“. FFH-Gebiete sind Flächen, auf denen Flora und Fauna in ihren Habitaten – daher „FFH“ – besonders geschützt sind und erhalten werden sollen. Leider sind aber Naturschutz und Nutzung durch den Menschen nicht immer vereinbar: Im Hockgraben kam früher der seltene Helle Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling vor, ein Schmetterling, der als Falter den Nektar des Großen Wiesenknopfes trinkt und als Raupe die Brut von Ameisen in deren Nestern frisst. Jetzt ist das Vorkommen erloschen.

Die natürlichen und naturnahen Fließgewässer im Hockgraben befinden sich überall verteilt neben den Rad- und Fußwegen und ergeben sich aus der Geografie und dem weitverzweigten Verlauf der Gewässer in diesem natürlichen Feuchtgebiet. Hier finden sich bunte Wiesen, zahlreiche Streuobstbäume, eine halboffene Landschaft, viele Vogelarten und auch Biber, die die Gewässer aufstauen. Bestehende Biotope wurden bei der Planung des Wegenetzes erhalten, die vorkommenden Arten weitgehend geschützt. Man fährt also mit dem Rad immer zwischen und neben den Wasserläufen, was besonders interessant ist, da sich die Gewässer im Jahreslauf genauso verändern, wie die Wiesen und die alten Hochstammbäume darauf.

Kommt man von der Stadt aus, vom Wohngebiet Sonnenbühl mit den vielen Gebäuden des Studentenwerks, in den Hockgraben, fährt man auf der ca. 600 Meter langen Strecke bis zur Uni an den drei Teilen der Großplastik „Röhrenlandschaft Hockgrabental“ von Friedrich Gräsel entlang. Die großen Röhren aus glasfaserverstärktem Polyester, Stahlblech und Farbe befinden sich hier seit 1974. Sie greifen in einem Dreischritt einerseits das Thema des Fließens sehr sinnfällig auf, andererseits sind sie Landmarken, die den Übergang von der Natur- und Stadtlandschaft hin zum abstrakten, artifiziellen Gebäude der Universität moderieren und versinnbildlichen. Die gesamte Hockgrabenlandschaft ist ein großes Fließen in den Gewässern, den Plastiken, den Wegen, wobei ein Bach sogar die Universität vom oberen Mensabereich bis in den Teich durchfließt.

Der Hockgraben ist wie der Lorettowald für die Konstanzer ein beliebtes Naherholungsgebiet. Durch die bunten Blumenwiesen bietet er ständig ein anderes Bild. Rotmilan und Falke, Kuckuck und Graureiher sowie Libellen und Frösche lassen sich hier je nach Jahreszeit und mit etwas Glück gut beobachten!

 

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